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Auf die Schnelle keine Stelle

Arbeitslosigkeit nach dem Studium

Die Erwerbslosenquote von Hochschulabsolventen ist - verglichen mit derjenigen der Gesamtbevölkerung - tief. Und doch trifft es auch Hochschulabgänger, die erst am Anfang ihrer berufskarriere stehen.

Keine Seltenheit

Etliche bewerbungen, sechs Vorstellungsgespräche und mehrere falsch adressierte Absagen. Dies ist die ernüchternde bilanz von Matthias Fischer, politik- und Medienwissenschaftsstudent, der seit 6 Monaten arbeitslos ist. Es sei frustrierend, nicht gebraucht zu werden. Schwierig, sich mit der Tatsache der Arbeitslosigkeit abzufi nden, wenn man rundherum von Erfolg hört. Für Christian Fischer gibt es keinen konkreten Wunschberuf. Als Sozialwissenschafter müsse er breit suchen. Die Frage nach dem Traumberuf stelle sich für ihn in fünf bis zehn Jahren.

Obwohl laut bundesamt für Statistik die Erwerbslosenquote von Hochschulabgängern zwischen 2002 und 2007 rückläufig war, erreichte sie 2007 beinahe 2% bei universitätsabsolventen und 1.2% bei Hochschulabgängern.

Arbeitslos - wie weiter?

Doch was tun, wenn keine Stelle in Aussicht ist? Die Hochschulen sind sich dieser problematik bewusst. Darum gibt es die "Career Services". Diese Anlaufstellen innerhalb der Hochschulen bieten Dienstleistungen wie Laufbahnberatungen, praktikabörse, Lebenslauf-Check-up und Vieles mehr an. Trotz diesem Angebot kann eine vorübergehende Arbeitslosigkeit nicht immer verhindert werden. Ist dies der Fall, empfehlen die regionalen Arbeitsvermittlungszentren eine persönliche wAnmeldung kurz vor Studienabschluss. Es gilt die Verpfl ichtung, ab Diplomübergabe eine Arbeit zu suchen. Auch Absolventen, die während des Studiums keiner Erwerbsarbeit nachgegangen sind, haben Anrecht auf Arbeitslosenentschädigung aufgrund der gesetzlich geregelten beitragsbefreiung (Art. 14 Abs. 1 lit). Studienabgänger erhalten demnach 260 Taggelder. Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe dauert nach Aussagen von verschiedenen regionalen Arbeitsvermittlungszentren ein halbes bis drei Viertel Jahr. Dies bestätigt auch Roger Gfrörer vom Career Services der universität Zürich, welcher beobachtet, dass Assistierende,  die ihr phD oder ihr Doktorat abgeschlossen haben, sechs bis neun Monate brauchen, bis sie eine Stelle fi nden, wenn sie nicht offen für alle branchen sind.

Erfolgreich bewerben

Christian Fischer hat während seines Studiums als Werkstudent gearbeitet. Doch dies hat ihm bis jetzt nicht weitergeholfen. Geschäftsführerin birgit Müller vom Career Service Center der universität basel hat festgestellt, dass die Absolvierenden meist zu bescheiden sind und ihre Fähigkeiten nicht kennen. Zudem haben sie sich noch nicht oft professionell bewerben müssen. Dies bestätigt auch der Verantwortliche des Career Services der universität bern, Christian baour. Generell kennen Hochschulabsolventen ihre Schlüsselqualifi kationen sowie Sozial- und Selbstkompetenzen zu wenig. Wie die Verantwortlichen der Career Services-Stellen betonen auch die regionalen Arbeitsvermittlungszentren, wie wichtig das persönliche beziehungsnetz, eine gewisse Flexibilität und die aktive Stellensuche sind. Spezifi sche Stellenvermittlungsbüros für Hochschulabsolventen und die unternehmen sollten direkt angegangen werden. Die Massnahmen der Arbeitsvermittlungszentren beinhalten auch die Vermittlung von berufspraktika. Elisabeth Ziller von pricewaterhouseCoopers AG betont, dass die Chancen, nach einem praktikum eine Festanstellung zu erhalten, sicherlich gut seien. Sie rät Studienabgängern aber, sich für einen Direkteinstieg in den Arbeitsmarkt zu bewerben. Ziller erwähnt dabei die Wichtigkeit von fehlerfreien bewerbungsunterlagen. Diese beinhalten einen chronologisch strukturierten Lebenslauf und ein überzeugendes Motivationsschreiben.w beide Dokumente sollten jeweils neu auf das unternehmen und die offene Stelle ausgerichtet werden.

praktika als Übergangslösung

Wer nach einer bestimmten Frist noch immer keine Festanstellung gefunden hat, kann auf brückenangebote zurückgreifen. Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren bieten unterschiedliche beschäftigungsprogramme an. So vermittelt zum beispiel die Fachstelle für Arbeit und umwelt, FAu, berufspraktika an Hochschulabgänger. Es besteht auch die Möglichkeit, ein praktikum im Ausland zu absolvieren. Über Studex etwa lassen sich praktika in ganz Europa finden. Obwohl laut Henriette Graf von Studex die Zahl der Studienabgänger, die sich für eine Vermittlung angemeldet haben, seit 2007 leicht zurückgegangen ist, beträgt der Zuwachs dieses Jahr 25%. Dies kann auch Elisabeth Ziller von pricewaterhouseCoopers bestätigen. "Wir erhalten mehr bewerbungen sowohl für praktika wie auch für Direkteinstiege und unsere praktikaplätze konnten wir bereits sehr früh besetzen." Die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren und Christian Fischer ist nicht der einzige, der davon betroffen ist.

 
 
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